Integration

Konzertreihe: „Musik als Mittel zur Integration“
Im Jahre 2001 feierte die Frankfurt Loge ihren 40. Jahrestag der Wiedergründung im Jahr 1961. Bruder Raymond Levi war zu diesem Zeitpunkt der Präsident der Loge. Die Loge befand sich schon zu dieser Zeit im Wandel. Die Gemeinden wuchsen, nicht zuletzt auch durch die vielen Zuwanderer russischer Herkunft. Integration wurde ein großes Thema – bis heute – und auch die Loge wurde ihren neuen Aufgaben gerecht.

Neue Aufgaben bedeuten auch neue Herausforderungen. Mit der Zuwanderung vieler jüdischer Menschen aus der ehemaligen UdSSR haben sich viele Strukturen verändert. Auch die Loge ging auf diese Herausforderung „Integration“ ein. Mit großem Engagement und Elan setzte und setzt sich Tina Delavre dafür ein. Ihr ist es zu verdanken, dass die Loge sich dieser Herausforderung nicht verschlossen, sondern geöffnet hat. Sie hat so viele Dinge auf den richtigen Weg gebracht – auch wenn sie anfangs nicht immer auf die Zustimmung aller stieß. So hat sie doch den Weg verfolgt. Integrieren und nicht ausgrenzen, das war immer ihr Motto. Wir danken Tina Delavre dafür, dass sie nicht aufgegeben hat. Wir haben Frau Delavre gebeten, für die Festschrift einen Artikel über das Thema „Integration“ zu schreiben. Sie hat alles erwähnt, nur nicht ihr eigenes Engagement. „Tue Gutes und rede nicht darüber“ ist die höchste Stufe der Zedaka.

Aber andere dürfen darüber reden. So sehen wir bei den Konzerten für die Zuwanderer in glückliche Augen, können spüren wie diese Menschen diese Musik genießen. Heute haben wir in der Loge viele neue junge Mitglieder, die ihre Wurzeln in der ehemaligen UdSSR haben. Sie bereichern unser Logenleben ungemein und das, was wir gesät haben, trägt nun Früchte. Lesen Sie selbst, was Frau Delavre und Dan Sommer dazu schreiben. Dan Sommer war Präsident der Loge und ist nun unser Mentor. In seine Amtszeit fällt die wichtige Entscheidung der Loge, sich eben diesem Integrationsprozess zu öffnen. Es war eine richtige Entscheidung, die bis heute das Logenleben ungemein bereichert.

Die Frankfurt Loge unterstützt den Integrationsprozess

Nicht nur, dass die Frankfurter B’nai B’rith Loge 120 Jahre alt wird. Auch der Integrationsprozess der jüdischen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion feiert ein Jubiläum: Seit 20 Jahren befinden wir uns auf dem Weg der Integration. Auch die B’nai B’rith Frankfurt Schönstädt Loge hat ihren Teil zum Gelingen der Integration jüdischer Zuwanderer beigetragen.

Anfangs ging die Hilfe der Loge beim Aufbau jüdischen Lebens in den ehemaligen Ostblock-ländern von Frankfurt in Richtung Osten. Bereits während der Präsidentschaft von Jack Bechhofer sel. A. (1996–2000) unterstützte die Loge eine jüdische Schule in Moskau, deren Schüler sich u. a. um bedürftige ältere Menschen im Umkreis der Schule kümmerten und sie mit (koscherem) Essen versorgten. Sie half beim Aufbau der angeschlossenen Synagoge, versorgte die Schüler mit Unterrichtsmaterial und schickte finanzielle Hilfe. Ganze Lastwagen voller Medikamente, Kleidung etc. wurden von Frankfurt nach Lvov geschickt, um Dr. Alexander Schwarz von der Münchner Loge bei seinem Hilfsprojekt für alte und kranke jüdische Menschen in der ukrainischen Stadt zur Seite zu stehen. Unter der Präsidentschaft von Raymond Levy (2000–2002) hat die Frankfurter Loge auf Initiative des damaligen Oberrabbiners von Dänemark und jetzigen BBE-Ehrenpräsidenten auf Lebenszeit, Bent Melchior, gemeinsam mit der Kopenhagener die jüdische Gemeinde in Petersburg mit Nahrungsmitteln versorgt.
Die Frankfurter B’nai B’rith Loge wandte sich dann Mitte der 1990er-Jahre den jüdischen Menschen zu, die aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nach Frankfurt kamen. Die Loge finanzierte z. B. auf Initiative von Bruder Dr. Dieter Graumann 1997 eine Sukkotfeier für die Emigranten aus den GUS-Ländern. Dies erschien dem Beamtenrat eine sinnvoller Hilfe, da das Erlernen des jüdischen Brauchtums und jüdischer Religion am besten durch Teilnahme an religiösen Festen gefördert werden kann.

Teddy Kollek hat zu Lebzeiten formuliert: „Etwas Großes entsteht nur, wenn man viele kleine Dinge wirklich fertigbringt.“ Getreu diesem Motto veranstaltet die Frankfurter B’nai B’rith Loge seit 1999, anfangs in unregelmäßigen Abständen, ab 2002 unter der Präsidentschaft von Dan Sommer (2002–2005) und seit 2005 unter Logenpräsident Ralph Hofmann in regelmäßigen Abständen – monatlich mit Sommerpause – Konzerte mit Musikern aus der ehemaligen UdSSR – u. a. aus Moskau, Petersburg, Odessa und Kiew – in den Logenräumen. Zu diesen Konzertabenden werden in Zusammenarbeit mit dem Verband der jüdischen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge Zuwanderer eingeladen. Sowohl für die Logenmitglieder als auch für die Gäste sind diese musikalischen Abende immer ein großes Fest. Da durchweg alle Musiker eine großartige Ausbildung und zum Teil bereits eine bedeutende Karriere in den Ländern der ehemaligen SU zu verzeichnen haben, finden die Darbietungen auf allerhöchstem Niveau statt. Die jüngeren Musiker haben zum Teil bereits in der Folge Engagements z. B. beim London Philharmonic Orchestra bekommen. Um den hochbegabten Musikern ein entsprechendes Instrument zur Verfügung stellen zu können, wurde ein Flügel mit Spendengeldern – bezuschusst von der Loge – erworben, so dass das Logenheim inzwischen bei den Musikern ein beliebter Konzertsaal geworden ist. Aber nicht nur sie genießen die Atmosphäre bei den Konzerten. Die musikalischen Veranstaltungen sind aus dem Logenleben und dem Leben der Zuwanderer nicht mehr wegzudenken und erfreuen sich größter Beliebtheit. In den eleganten, stilvollen Räumen des Logenheims bieten sie zudem noch ein unverfängliches Forum der Begegnung und des Kennenlernens von Zuwanderern und Alteingesessenen. Da den meisten Zuwanderern jüdisches Brauchtum, jüdische Religion und Tradition fremd sind, finden sie in der Loge durch die Teilnahme an unseren Vorträgen und anderen Veranstaltungen einen ungezwungenen Zugang zum jüdischen Leben. Auch unsere Bibliothek erfreut sich großen Zuspruchs von russischsprachigen Lesern. Durch diese „kleinen Dinge“ werden die Emigranten in das Gemeindeleben und das der Loge eingebunden.

Aus dem Kreis der Zuwanderer hat die Loge inzwischen bereits einige, vorwiegend jüngere, „Professionals“ als Mitglieder rekrutiert. Im Rahmen der Jugendkommission leisten sie eine vorbildliche Arbeit, organisieren Kabbalat-Schabbat-Abende, Vorträge und Feiern zusammen mit den älteren alteingesessenen Logenmitgliedern.
Die kleinen Schritte haben sich gelohnt. Teddy Kollek hatte Recht.